Deutschsprachige Physiotherapie-Verbände fordern Reformen: Gemeinsam für eine gestärkte Patient*innenversorgung in Europa

„Die therapeutische Versorgung darf nicht geschwächt, sondern muss gestärkt werden – und zwar durch klare Standards, einer akademischen Ausbildung und Spezialisierung“, betont Dr.Minettchen Herchenröder, Generalsekretärin bei Physio Deutschland. „Wir brauchen endlich vergleichbare Rahmenbedingungen, damit unsere Patient*innen überall in Europa von der bestmöglichen physiotherapeutischen Expertise profitieren können.“
Das gemeinsame Positionspapier der fünf deutschsprachigen Verbände formuliert drei zentrale Forderungen:
- Physiotherapie als eigenständige Wissenschaft etablieren
Die durchgängige Akademisierung – vom Bachelor bis zum PhD – soll die Grundlage für evidenzbasierte Versorgung und Forschung schaffen. - Qualität messbar und transparent gestalten
Einheitliche Qualitätsindikatoren und verpflichtende Registrierungssysteme sollen die Versorgung sichern und für die Bevölkerung nachvollziehbar machen. - Spezialisierung verankern – Advanced Physiotherapy Practice (APP)
Die Einführung von APP auf Masterniveau soll die Versorgung differenzieren, Ärzt*innen entlasten und Wartezeiten verkürzen.
Physio Deutschland steht als mitgliederstärkster Physiotherapieverband in Deutschland in engem Austausch mit seinen Partnerorganisationen im deutschsprachigen Raum. Alle genannten Verbände sind Mitglied im Weltverband World Physiotherapy und bilden in ihren Ländern seit Jahrzehnten auf EQR 6-Niveau (Bachelor) aus. Deutschland hinkt hier hinterher – mit spürbaren Folgen: Die ungleichen Ausbildungsstandards führen zu einer qualitativ unterschiedlichen Versorgung der Patient*innen. Akademisch ausgebildete Fachkräfte wandern in Nachbarländer ab, während Deutschland für ausländische Physiotherapeut*innen als Arbeitsstandort zunehmend unattraktiv wird. Der Fachkräftemangel in der Physiotherapie wird dadurch weiter verschärft.
Deutschland droht den Anschluss zu verlieren
„Deutschland muss endlich nachziehen“, so Herchenröder weiter. „Solange wir keine Ausbildung auf EQR6-Niveau flächendeckend anbieten, verlieren wir Fachkräfte an unsere Nachbarländer und bleiben für internationale Kolleg*innen unattraktiv.“ Die Verbände in der ER-WPT sind sich einig: Eine Harmonisierung der Ausbildungsstandards, Qualitätskonzepte und Spezialisierungsmöglichkeiten sind dringend notwendig. Sie würden nicht nur die berufliche Mobilität erleichtern, sondern auch die Versorgung über Landesgrenzen hinweg verbessern. Diese erstmalige gemeinsame Initiative unterstreicht die Entschlossenheit der Verbände, gemeinsam Reformen voranzutreiben.
Physio Deutschland ist Gründungsmitglied von World Physiotherapy und setzt sich seit Jahren für die Weiterentwicklung des Berufsstandes ein – national wie international. Mit dem gemeinsamen Positionspapier senden die deutschsprachigen Verbände ein starkes Signal an die Politik: Jetzt ist die Zeit für Reformen. Physio Deutschland lädt die zuständigen Fachreferate ausdrücklich zum Austausch ein und bittet darum, das Positionspapier aktiv in die Bundesländer zu tragen.
World Physiotherapy hat die Reformforderungen der Verbände in einem eigenen Beitrag veröffentlicht, in dem das vollständige Forderungspapier heruntergeladen werden kann – ein weiterer Beleg für die internationale Relevanz des Positionspapiers.